Diskussionsrunde von gestern Abend auf Phoenix

23.06.2009 | thoughts | 3 Kommentare

Die komplette Diskussionsrunde mit Dirk Hilbrecht (Piratenpartei) und Prof. Rupert Scholz (CDU) auf Youtube

(Youtube Direktpiraten)

Wurde zwar schon alles zu gesagt, aber der Vollständigkeit halber: Hier nochmal für alle, die’s gestern oder heute morgen verpasst haben, die komplette Sendung.

Christoph Minhoff diskutiert mit Prof. Rupert Scholz (CDU, ehem. Bundesminister der Verteidigung und Staatsrechtler) und Dirk Hillbrecht (Vorsitzender der Piratenpartei Deutschland) zum Thema:

“Unter Piraten – Wem gehört das geistige Eigentum?”

Nerdcore 23.06.09 11:30 René

Eigentlich wollte ich ja komplett auf diese Netzsperren/Zensursula-Debatte verzichten auf Stereokultur.com, aber die “Expertenrunde” gestern Abend auf Phoenix, auf die ich durch Nerdcore.de aufmerksam geworden bin, fand ich so dermaßen interessant und typisch für dieses Topic, dass ich doch darüber berichten werde.

Also die Talkrunde seht ihr oben im Nerdcore-Quote schon. Schaut sie euch an! Die 45 Minuten sind sinnvoll investiert.

Besonders interessant fand ich persönlich, dass scheinbar der Vorsitzende der Piratenpartei der Einzige in der Runde war, der überhaupt wusste, wovon er redete. Der Diskussionsleiter und der CDU-Vertreter haben ständig versucht ihm die Worte im Mund zu verdrehen, was er aber mit sich nicht machen ließ. Schade, dass die Sendung nach 45 Minuten schon vorbei war, zu Ende diskutiert war dort nämlich garnix.

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3 Kommentare

simplizissimus

06/23/2009 16:44

ich bin selbst autor und muss von dem leben, was ich schreibe. und viele bekannte und freunde von mir schreiben auch für zeitungen und müssen sich mit einem lausigen zeilenhonorar herumschlagen. und wenn sie dann für die zweitverwertung im internet einen kleinen aufschlag verlangen, weil sie ja urheber ihrer geschichte/ihres artikels sind, dann sind sie – nach dem ansatz der piraten – auf einmal die “bösen” feinde des freien internets. ist euch eigentlich klar, was das heißt? keiner, der professionell vom journalismus leben möchte, wird zukünftig fürs netz schreiben, da man davon nicht leben kann. gleiches problem mit den durch google eingescannten büchern, die zur weltgrößten bibliothek werden sollen, ohne dass dafür die schöpfern der literatur dafür auch nur ein einziger cent erhalten: gut aus konsumenten(leser-)sicht, schlecht für denjenigen, der mit schreiben seine familie ernähren möchte. und die dritten, die davon betroffen sind, sind die interpreten von songs: welcher künstler macht sich den aufwand mit tonstudio, produktionsmannschaft, songschreiber und texter etc., wenn er dann später keine cds verkaufen kann, weil alle songs illegal im netz angeboten werden?

Ja, geiz ist geil – das kann unsere gesellschaft ganz gut. aber musik, literatur und nachrichten sollen bitteschön nicht nur frei verfügbar sein, sondern auch kostenlos. und da beißt sich der hund in den schwanz, das hat noch nie geklappt und wird auch zukünftig nicht klappen: qualität hat einfach ihren preis.

und noch zur kinderportno-internet-zensur: wenn in den nachrichten ein kinderporno-ring ausgehoben wird und davon geschossene bilder beschlagnamt werden, dann freuen sich alle. und nur weil es jetzt im web passiert, ist es auf einmal verwerflich. ich meine: hallo, es geht um harte straftaten, entführung, sexueller missbrauch, vergewaltigung von kindern, verbreitung illegaler pornografie und nicht um falsches parken oder so. und ich erwarte einfach, dass der staat seinen verpflichtungen nachkommt und mich und meine familie und kinder schützt – genau dafür behält er nämlich von dem bisschen, was ich jeden monat verdienem, auch noch einen teil ein. nicht mehr und nicht weniger. wenn sperren im interent dazu beitragen, dass die verbreitung (und damit die befriedigung der nachfrage) nach kinderpornografie eingedämmt wird, dann finde ich das absolut in ordnung. und natürlich stelle ich mir die frage, wie ein vernünftiger mensch überhaupt zu der überzeugung kommen kann, der staat muss/soll/darf nichts gegen das verbreiten von kinderpornos machen. aber wenn ich mir anschaue, welcher abgeordnete jetzt mit wehenden fahnen zu den piraten übergelaufen ist, dann solte ich vielleicht aufhören, mir ebendiese fragen zu stellen. hat wohl keinen sinn…

Christian

06/23/2009 17:12

Wer sagt denn, dass sich hier irgendjemand gegen die Zensur von Kinderpornografie stellt? Das ist absolut sinnvoll und auch auf jeden Fall ein muss. Fakt ist nur auch, dass Kinderpornografie WELTWEIT strafbar ist und egal, wo der Server mit Material steht, der Provider löscht diesen Inhalt im Regelfall, sobald ihn jemand darauf aufmerksam macht (Hinweis zu der Untersuchung von letzter Woche: Jugendschutz.net mahnt regelmäßig Provider ab, die jugendgefährdendes Material auf ihren Server hat und auch dieses wird im Regelfall entfernt).
Das Problem ist nur einfach die Vorgehensweise. Internetnutzer auf der ganzen Welt fordern (und das nicht erst seitdem die Debatte hier in Deutschland rollt) derart anstößige Inhalte aus dem Netz zu entfernen und nicht einfach zu zensieren. Es ist lediglich die Art und Weise, die alles andere als praxisnah ist.
Und die Vermutung, dass die Netzsperren wegen Kinderpornografie nur vorgeschoben sei, um andere Felder des Netzes ebenfalls zu zensieren, sieht man ja schon heute, eine halbe Woche nach Verabschiedung des Gesetzes, da bereits mehrere Anträge auf Ausweitung des Gesetzes vorliegen.

Und es geht hier keinesfalls darum, jemandem sein geistiges Eigentum zu nehmen. In der Hinsicht kann man natürlich auch über radikale Ansichten verschiedenster Parteien streiten. Die Wahrung geistigen Eigentums sollte definitiv nicht abgeschafft oder eingeschränkt werden. Und das ist auch nicht das, was die Netzsperren-Kritiker wollen.
Aber wenn man sich anschaut, wie z.B. in der Musikbranche illegales downloaden für quasi alles verantwortlich gemacht wird, denke ich, dass die Verantwortlichen sich einmal Gedanken machen sollten, ob sie nicht auch eventuell etwas falsch gemacht haben. Das Medium Internet ist heutzutage ein so starkes (Stichwort Meinungsverbreitung via Social Communities) Medium geworden, dass auch die Musikindustrie für sich nutzen könnte (kleinere Labels tun dies ja bereits) und auch Modelle, um der gesamten Kulturbranche zu helfen, sind bereits vorhanden und auch getestet worden (Stichwort Kulturflatrate) und schneiden auch garnicht mal so schlecht ab, da sie einfach zeitgenössischer sind als eine für Zeiten des Internets veraltete und überarbeitungsbedürftige Urheberrechts- und GEMA-Gesetzeslage.
Es ist ja auch irgendwo verständlich, dass man sich schwer damit tut, gewisse Gesetzesänderungen vorzunehmen, finde ich auch völlig legitim, aber wenn ich sehe, wie sich Herr Scholz da gestern gezeigt hat, merkt man, dass er eine Position vertritt, obwohl er den Streitpunkt und vielleicht auch die Forderungen der Piratenpartei nicht wirklich verstanden hat.
Dreh- und Angelpunkt dieser gesamten Netzsperren-Debatte ist einfach, dass die Art und Weise, in der diese durchgeführt werden einfach nicht angepasst sind, an das, wie es in der Realität aussieht. Natürlich stimme auch ich Herrn Hilbrecht nicht uneingeschränkt zu, wenn er sagt, er lese ein Buch online und wenn er es gut fände, kauft er es. Sehe ich als höchst zweifelhaft an.
Auch hier muss ich allerdings sagen, dass die Wurzel allen Übels nicht zwingend nur die 2009er Internet-Gemeinde ist, sondern dass schon viel früher anfing. Früher nahm man Radio auf, heute Songs aus YouTube-Videos oder von MySpace-Seiten. Und dies sind Dinge, die waren früher so und heutzutage auch. Der Unterschied ist einfach, dass die Mittel und Methoden dazu heute entschieden leichter sind.
Achja: der Überlauf des Politikers ist natürlich fragwürdig. Auch hier gilt es aber Ruhe zu bewahren, da ein Verfahren gegen ihn läuft und man sich erst, sobald feststeht, ob sich der Verdacht bestätigt oder nicht, zu urteilen vermögen sollte.

Alex

06/27/2009 01:08

Über Kinderpornographie muss man nicht diskutieren. Dass Maßnahmen dagegen ergriffen werden müssen, ist klar und jeder halbwegs normale Mensch wird dem auch zustimmen.
Der erste Gedanke ist da ganz intuitiv, die Distribution zu verhindern, also die Person zu verfolgen, die das Ganze verbreitet. Das allerdings ist schwierig, denn vielen Regierungen ist die ganze Internetthematik noch so fremd, dass in der Richtung vom Staat einfach keine Schritte eingeleitet werden können. Ähnliches gilt für Hoster, die demnach gesetzlich auch nicht gedrängt werden, in solchen Fällen die entsprechenden Daten zu löschen (warum sollte ich meine Kunden verärgern, wenn ich eh nicht sanktioniert werde wenn ich alles beim Alten lasse?). Abgesehen davon: Wenn man keinen externen Hoster für seine Daten will, dann kauft man sich eben einen eigenen Server und schließt ihn ans Netz an. Dass der Provider Schritte dagegen unternimmt ist aus oben genanntem Grund oftmals unwahrscheinlich. Aus der Luft gegriffen ist das alles sicherlich nicht.

Aber was die Piratenpartei da in Sachen Urheberrecht fordert, ist eine Frechheit. Wo viele Politiker in der Stopschild-Diskussion keine Ahnung haben, wie es im Internet wirklich zugeht, so scheint die Piratenpartei in Sachen Urheberrecht noch mehr als nur ein paar Nachhilfestunden zu benötigen. Allen Ernstes zu fordern, dass geistiges Eigentum, hinter dem nicht nur jede Menge Arbeit, sondern auch die eigene Existenzgrundlage stehen kann, frei verfügbar gemacht wird, ist nicht nur bodenlos naiv, sondern schlicht und einfach dumm. Komponisten und Bands etwa, die nicht megaerfolgreich sind, wird damit schon von Anfang an nicht nur ein Knüppel zwischen die Beine geworfen, sondern gleich eine Schranke vorgesetzt. Hätten sich die Verantwortlichen näher mit der Materie beschäftigt, wüssten sie, wie wenig auch an Merch- und Konzerteinnahmen tatsächlich beim Künstler ankommt.

Aber das ist ein recht spezielles Beispiel. Bei anderen Künstlern und Journalisten ist das Thema dasselbe. Natürlich muss der Autor für seine Arbeit entlohnt werden. Wenn jemand seine eigenen Werke im Internet veröffentllichen will und er dadurch mehr Erfolg hat, ist das toll für ihn. Aber die Entscheidung, das Internet als Distributionskanal zu benutzen muss allein beim Urheber liegen und nicht bei irgendeinem YouTube-Nutzer mit Kamera (um auf das Beispiel aus dem Video einzugehen).

Urheberrechte sollen die gesellschaftliche Entwicklung behindern? Das entbehrt jeglicher logischer Grundlage. In welcher Gesellschaft will der Mann denn leben? Der nächste Schritt ist dann, Diebstahl im CD-Laden zu legalisieren, weil ich als Ladenbesitzer ja auch Kuchen an die Diebe verkaufen könnte, um mein Geld dadurch zu verdienen…

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