Feature #4: Björn Lexius

05.06.2010 | thoughts | 2 Kommentare

Yeah, nach über zwei Monaten Pause endlich wieder ein Feature. Genaugenommen habe ich mit dem vierten Feature sogar fast drei Monate gewartet. Nun gut.

Heute also wieder eine kleine Interviewvorstellung eines Fotografen, den ich kürzlich schon bei “Ein Herz für Blogs” grob skizziert habe:

BJÖRN LEXIUS

Hallo Björn, stell dich doch bitte kurz meinen Lesern vor. Wer bist du, was machst du so?

Also, so Selbstvorstellungen sind ja immer so ein Ding für sich, was erzählt man, was interessiert überhaupt jemanden, sowas alles. Ich versuchs kurz zu halten. Mein Name ist Björn Lexius, geboren 1977 irgendwo zwischen Münsterland und Ruhrpott, seit ein paar Jahren in Hamburg lebend. Meine Zeit vertreibe ich mit nem Teilzeitjob, Grafikdesign (hauptsächlich für Bands aus dem Punk/Hardcore-Underground Bereich) und Fotografie. Ich habe das Glück, dass meine Freundin das vollstens unterstützt und ich dem somit viel Zeit widmen kann.

Wenn ich mir deine About-Section durchlese, stelle ich fest, dass du durch die Musik zur Fotografie gekommen bist. Gab es da ein bestimmtes Ereignis oder ähnliches, was dazu geführt hat?

Hm, gute Frage. Ich habe jahrelang selbst in Bands gespielt und da guckt man sich gern oft im Nachhinein Fotos von Konzerten an und guckt, wie andere Personen die Momente festgehalten haben. Durch meine Design-Neigung kamen dann halt bei CD/LP-Layouts auch immer Fotos ins Spiel und es reizte mich einfach zu sehen, wie man selbst durch eine Momentaufnahme viel Gefühl und Emotion vermitten kann.

Weiter heißt es in deiner “Vita”, dass dir die Musikfotografie nicht mehr ausreichte. Ist sie nun komplett abgehakt oder fotografierst du noch Konzerte?

Das ist keineswegs abgehakt. Ich fotografiere immer noch sehr viele Konzerte, meist im DIY-Bereich, da man sich dort nicht mit Fotopässen, 3-Song Regulierungen und ähnlichem rumärgern muss und sich die Bands immer sehr über Fotos freuen.Zudem muss ich zugeben, macht mein momentanes Equipment bei grösseren Events oft nicht mit bzw erzeugt einfach nicht die Resultate, die ich von mir selbst erwarte. Was die Konzertfotografie angeht bin ich Teil des Teams der Website www.facetheshow.com. Wir sind, vermutlich, Europas bestbesuchte thematische Website, wenn es um Dokumentation der aktuellen Hardcore-Szene geht. Das Team setzt sich aus einigen Fotograf_innen und einem Videofilmer zusammen, angesiedelt sind die Personen in Deutschland, Österreich, Polen, Spanien und den Niederlanden.

Welchen Einfluss hat die Musik der Band, die du fotografierst, auf die Fotos? Versuchst du Fotos aus einem energischen Song energisch darzustellen und die Ruhe einer Ballade auch auf einem Foto zu “bannen”? Wie sieht es bei der Bearbeitung aus: hörst du beispielsweise beim Bearbeiten der Fotos exakt diese Band von der die Fotos sind?

Das ist ganz ehrlich gesagt eine gute Frage, die ich dir aber nicht so direkt beantworten kann. Ich glaube dadurch, dass ich selbst so lang in Bands aktiv war und viel mit Fotos auch im Nachhinein arbeite habe ich ein gewisses Gespür dafür, was ich persönlich (und auch oft die Bands) cool finde. Ich kann jetzt nicht behaupten, dass ich versuche die Stimmung eines Songs in einem Foto wieder zu geben, da ich oftmals im Nachhinein auch nicht mehr weiss, bei welchem Song welches Bild entstand. Wenn ich die Bilder bearbeite höre ich recht oft nochmal die Musik der Band oder zumindest ähnliches.

Der Großteil deiner Fotos auf deinem Portfolio fällt ja heute in den Bereich der Streetphotography. Was ist für dich das Besondere daran?

Zum einen ist Street-Photography etwas, was du jeden Tag zu jeder Zeit betreiben kannst. Du brauchst dich nicht um ein Modell oder ähnliches kümmern. Man geht einfach vor die Tür und steht mitten im Leben, und eben diese Momente machen diese Art der Fotografie für mich aus. Momente, die wir im Alltag kaum beachten, die in Vergessenheit geraten. Ich versuche sie einzufangen und ihnen wieder Bedeutung zu geben, die Personen, die meine Bilder ansehen wieder auf sie aufmerksam zu machen. Auch geht es dabei nicht um technische Perfektion, sondern um das Gespür für den richtigen Moment. Wenn ein Foto in dir ein Gefühl auslöst, dann ist es völlig egal ob es leicht verschwommen oder verrauscht ist.

Wie sieht das bei dir mit der kommunikativen Seite der Streetphotography aus? Sprichst du mit den Leuten, die du fotografiert hast? (falls ja, tust du dies vor oder nachdem du das Foto geschossen hast? Sehen sie die Resultate?)

Da sprichst du ein schwieriges Thema an. Lange Zeit habe ich mich überhaupt nicht getraut auf der Strasse Menschen zu fotografieren. Es dauerte eine Weile bis ich diese Scheu abgelegt hab, teils arbeite ich da immer noch dran. Meine Erfahrung ist, dass die Bilder oft weniger interessant werden, wenn die Personen wissen, dass man sie im Sucher hat. Manchmal reicht ein Nicken oder ein kurzes Lächeln aus um das OK zu bekommen. Manchmal spreche ich Leute an und zeige ihnen die Bilder aber oftmals interessiert es sie auch überhaupt nicht. Wieso das Thema so schwierig ist für mich, ist, dass man in Deutschland rein rechtlich sich im Illegalen bewegt, wenn man Menschen fotografiert bzw die Bilder veröffentlicht (Recht auf das eigene Bild), daher versuche ich mir für Bilder, die mir gefallen, ein Ok von den Personen zu besorgen, was allerdings oftmals eher mündlich als schriftlich ist. Niemand unterschreibt dir auf der Strasse einen Model-Vertrag. So zumindest meine Erfahrung.
Ich bin da persönlich auch in einem Zwiespalt, denn a) liebe ich die Street Photography aber b) würde ich auch nicht unbedingt Fotos von mir im Netz finden wollen ohne, dass ich davon weiss.

Nun einmal für die Technikfreaks: mit welchem Equipment gehst du auf die Straße?

Also zur Zeit arbeite ich auf der Strasse mit meiner Canon EOS 450D und meist einem Tamron 50 – 200mm 4 – 5.6 Objektiv. Grad eben steht die Überlegung welche Kamera mir ins Haus kommen soll, die 5D MKII oder die 7D. Eine Frage der Finanzen und der Verwendungszwecke.

Björn, danke für die ehrliche Beantwortung meiner Fragen! Ich denke wir hören voneinander! Viel Erfolg weiterhin!

Hier nochmal eine Liste mit den bisherigen Features:

Comments & Likes
...