Ein paar Worte zum gestrigen Saarland-Tatort

28.01.2013 | thoughts | 1 Kommentar

Was war da gestern Abend los? Der erste Saarland-Tatort mit neuen Kommissaren war für mich der wohl schlechteste Tatort, den ich je gesehen habe, reiht sich aber für mich absolut gut in die letzten Tatort-Wochen ein, die sich doch regelmäßig an Einfallslosigkeit (mit Ausnahmen) überbieten wollten. Das, was wir gestern Abend allerdings ertragen mussten, setzte dem ganzen dann doch die (Märchen-)Krone auf.

!!!  WER DIE FOLGE NOCH SEHEN WILL, SOLLTE HIER NICHT WEITERLESEN !!!

Dabei fing doch eigentlich alles ganz gut an – zumindest filmisch. Teilweise für Tatort schon experimentelle Kameraperspektiven bewundern durften, ein anfangs durchaus mutig wirkendes Colorgrading und eben dieser ständig wiederkehrende DSLR-Look mit geringen Schärfebereichen und viel Einsatz von Handkamera-/Steadycam-Aufnahmen. Das alles lies einen zumindest für die ersten 20 Minuten noch an einen tollen Einstand der neuen Kommissare Lisa Marx (gespielt vom regionalen Nachwuchstalent Elisabeth Brück) und Jens Stellbrink , verkörpert von Devid Striesow, den ich noch aus Filmen wie Yella, Napola oder  zuletzt auch aus Fraktus kannte. Und genau da fing für mich das Problem auch schon an. Erinnerte der von Striesow gespielte Charakter doch sehr stark an den durchgeknallten Journalisten, den er in Fraktus spielte.

Das ganze wäre ja auch noch halbwegs verkraftbar gewesen, wenn seine neue Kollegin einen irgendwie gearteten Gegenpol dargestellt hätte, der eine Interaktion zwischen beiden irgendwie akzeptabel hätte erscheinen lassen. Denn neue Tatort-Kommissare mit einem Hang zu seltsamem Verhalten haben es in ihrem Kollegium nie leicht, deren Einleben kann man aber dennoch für den Zuschauer spannend und eben nicht nur anstrengend gestalten, denken wir an Kommissar Peter Faber, der mit seinem labilen Verhalten ja eben auch irgendwie allen vor den Kopf stößt. Kollegin Marx dagegen wirkte kühl und geordnet wie die Schubladen eines Gefrierschranks, besaß eine Mimik wie das Kool Savas-Poster, welches jahrelang an der Innenseite der Toilettentür hing und erinnerte eher an die unter Alexithymie leidende Komplizin irgendeines Cobra11-Bösewichts. Getoppt wurde diese Figur nur noch durch die zwischen Karriereaufstieg und Unfähigkeit tappende Staatsanwältin Dubois (gespielt von Sandra Steinbach).

Dass bei einem derartig chaotischen Polizei-Team natürlich die Handlung auch an vielen Punkten hapert, war ja abzusehen. Dass Polizisten in ihrer Freizeit in irgendwelche bis in Regierungskreise eines anderen Landes reichende kriminelle Machenschaften verstrickt werden, ist das eine. Dass eben jener Kommissar dann noch das in diesem Zusammenhang gerettete Kind entführt, eine Reggae-hörende Miss Marple-Greisin in diese Entführung involviert, eine weitere Sache. Insgesamt wirkte es einfach wie ein vollkommener Griff ins Klo. Da scheint jemand versucht zu haben ein absolut aufregend, frisches Kommissarenteam zu erfinden, dass sich irgendwo zwischen lustig und überragend durch eine actionreiche Ermittlung hangelt. Problem: dem ganzen fehlte für dieses Experiment einfach der Tiefgang.

Von den neuen Figuren wissen wir im Grunde nichts, was nicht nach 5 Minuten schon klar war: Stellbrink hat einen an der Waffel, soll aber der geniale Polizist sein, Marx wäre gern Lara Croft und Staatsanwältin Dubois ist das Abbild dessen, was man von Bachelor-Absolventen sagt: hochnäsig, karrieregeil aber irgendwie praktisch unfähig.

Auf Handlungsseite steht dann eben noch das größte Problem: ist doch schon nach wenigen Minuten der Episode klar, dass der Dolmetscher irgendwie in die ganze Geschichte verstrickt ist, braucht es noch etwa 45 Minuten (und zwei ganze Tage im Film), bis der Ermittlungsapparat auch auf diese Idee kommt und urplötzlich werden 80% der Gesamthandlung der Folge in den letzten 20 Minuten im Schnelldurchlauf aufgerollt: Kommissarin ermittelt auf eigene Faust und deckt Bodypacker Klinik auf, Polizei versucht Kommissar zu fangen, dieser flüchtet mit seiner Geisel, schluckt die Drogenpäckchen selber, verfolgt die Verdächtigen bis zur Grenze und schafft es mit eine kurzer Unterredung mit französischen Polizeibeamten alles zumindest so ein wenig aufzuklären.

Und ohnehin, es gab eben immer wieder diese kurzen Momente, in denen man sich fragte, warum immer noch einer drauf gesetzt werden muss. Endgültig war es dann für mich der Fernschuss auf den Autoreifen der Diplomaten, der mich zu dem Entschluss kommen lies:

Sorry, Tatort: das war absolut gar nichts.

Leid tut es mir für Devid Striesow, dessen schauspielerische Leistung allein nicht genug war, diesen Tatort noch irgendwie zu retten. Denn leider hat auch sein Charakter dazu beigetragen, dass ich mich eher irgendwie bei Sven Martinek und Der Clown fühlte als an einem Sonntagabend-Tatort. Schade.

 

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