The Trashcam Project: Müllcontainer als Pinhole-Kameras

18.04.2012 | photography | 1 Kommentar

The Trashcam Project ist ein Projekt, bei dem Hamburger Müllmänner ihr liebsten Orte, die sie ja täglich sauber halten, in Hamburg fotografisch festhalten mit – aufgepasst! – 1100 Liter Müllcontainern, die zu riesigen Lochkameras umfunktioniert wurden. Die Idee dazu entwickelten Christoph Blaschke, Mirko Derpmann und Scholz & Friends Berlin und die Hamburger Stadtreinigung, technische Unterstützung (wegen der enorm großen Negative) leistet der Hamburger Fotograf Matthias Hewing.

Das spannende daran ist auf der einen Seite, die Tatsache, dass die Müllmänner vermutlich die einzigen sind, die die Stadt komplett mit ihren beiden Gesichtern (verschmutzt/gereinigt) zu sehen bekommen, auf der anderen Seite aber auch die Perspektive, von der ihre “Kameras” das Foto schießen, denn ich wage mal zu behaupten, dass die wenigsten Menschen Hamburg schon aus dieser niedrigen Perspektive bewusst fotografiert haben. Der typische Lochkamera-Stil mit der starken Vignettierung trägt natürlich noch seinen eigenen Teil zu einer gelungenen Bildästhetik bei.

Alle Fotos (c) The Trashcam Project

(via: jeriko)

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In Golden Tears: Underneath The Balance (Neue Single // Stream)

14.03.2012 | music | 1 Kommentar

Die Hamburger Jungs von In Golden Tears melden sich mit neuer Single zurück! Underneath The Balance heißt diese und ist ein richtig schön sphärischer Indie-Song. Im Vergleich zur Debutsingle Urban Emotions merkt man der Band eine starke Entwicklung an. Sichtlich reifer der Sound und gerade die Drums hauen einen so richtig weg! Netterweise haben die Menschen von Humming Records die Single, die ab 20. April digital und auf farbigen 7″ Vinyl bereitsteht, bereits heute samt der auf der Single befindlichen Remixe bei Soundcloud für uns alle bereitgestellt. Super Sache!

In Golden Tears live
präsentiert von FluxFM, ByteFM, Tonspion, Rote Raupe und Musikmarkt

20.04.2012 Magnet Club – Berlin, Germany
21.04.2012 Beim Weißen Lamm – Augsburg, Germany
22.04.2012 Elchclub – Ostermundigen, Switzerland
24.04.2012 Schon Schön – Mainz, Germany
25.04.2012 Museumskeller – Erfurt, Germany
26.04.2012 Bärenzwinger – Dresden, Germany
27.04.2012 Kulturhalle Abdera – Biberach An Der Riss, Germany
28.04.2012 Artheater – Cologne, Germany
01.05.2012 Waschhaus – Potsdam, Germany
10.05.2012 Electric Showrooms – London, United Kingdom
11.05.2012 The Great Escape Festival / Alternative Escape – Brighton, UK
12.05.2012 The Square – Harlow, UK
13.05.2012 The Old Queens Head – London, UK
17.05.2012 Uebel & Gefaehrlich – Hamburg, Germany
18.05.2012 Transeuropa Festival @ Tanzpalast – Hildesheim, Germany
19.05.2012 Rust – Copenhagen, Denmark
26.05.2012 Hedon – Zwolle, Netherlands
08.06.2012 Bla – Bonn, Germany
09.06.2012 Musikschutzgebiet-Festival – Homberg/Efze, Germany
10.06.2012 Neues Schauspiel – Leipzig, Germany
16.06.2012 Schlosskeller – Darmstadt, Germany
07.08.2012 Sziget Festival (date & details tba) – Budapest, Hungary

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Frische Musik: secrets.

21.08.2010 | music | 1 Kommentar

Ich bin vorhin über die Band “secrets.” gestolpert und der Song “Urban emotions” hält mich seither fest! Frische Indiemusik aus Hamburg. Genau die richtige Mische aus Gesang, Atmosphäre und Gitarrengedudel – und der Text. Super! Reinhören!

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Feature #4: Björn Lexius

05.06.2010 | thoughts | 2 Kommentare

Yeah, nach über zwei Monaten Pause endlich wieder ein Feature. Genaugenommen habe ich mit dem vierten Feature sogar fast drei Monate gewartet. Nun gut.

Heute also wieder eine kleine Interviewvorstellung eines Fotografen, den ich kürzlich schon bei “Ein Herz für Blogs” grob skizziert habe:

BJÖRN LEXIUS

Hallo Björn, stell dich doch bitte kurz meinen Lesern vor. Wer bist du, was machst du so?

Also, so Selbstvorstellungen sind ja immer so ein Ding für sich, was erzählt man, was interessiert überhaupt jemanden, sowas alles. Ich versuchs kurz zu halten. Mein Name ist Björn Lexius, geboren 1977 irgendwo zwischen Münsterland und Ruhrpott, seit ein paar Jahren in Hamburg lebend. Meine Zeit vertreibe ich mit nem Teilzeitjob, Grafikdesign (hauptsächlich für Bands aus dem Punk/Hardcore-Underground Bereich) und Fotografie. Ich habe das Glück, dass meine Freundin das vollstens unterstützt und ich dem somit viel Zeit widmen kann.

Wenn ich mir deine About-Section durchlese, stelle ich fest, dass du durch die Musik zur Fotografie gekommen bist. Gab es da ein bestimmtes Ereignis oder ähnliches, was dazu geführt hat?

Hm, gute Frage. Ich habe jahrelang selbst in Bands gespielt und da guckt man sich gern oft im Nachhinein Fotos von Konzerten an und guckt, wie andere Personen die Momente festgehalten haben. Durch meine Design-Neigung kamen dann halt bei CD/LP-Layouts auch immer Fotos ins Spiel und es reizte mich einfach zu sehen, wie man selbst durch eine Momentaufnahme viel Gefühl und Emotion vermitten kann.

Weiter heißt es in deiner “Vita”, dass dir die Musikfotografie nicht mehr ausreichte. Ist sie nun komplett abgehakt oder fotografierst du noch Konzerte?

Das ist keineswegs abgehakt. Ich fotografiere immer noch sehr viele Konzerte, meist im DIY-Bereich, da man sich dort nicht mit Fotopässen, 3-Song Regulierungen und ähnlichem rumärgern muss und sich die Bands immer sehr über Fotos freuen.Zudem muss ich zugeben, macht mein momentanes Equipment bei grösseren Events oft nicht mit bzw erzeugt einfach nicht die Resultate, die ich von mir selbst erwarte. Was die Konzertfotografie angeht bin ich Teil des Teams der Website www.facetheshow.com. Wir sind, vermutlich, Europas bestbesuchte thematische Website, wenn es um Dokumentation der aktuellen Hardcore-Szene geht. Das Team setzt sich aus einigen Fotograf_innen und einem Videofilmer zusammen, angesiedelt sind die Personen in Deutschland, Österreich, Polen, Spanien und den Niederlanden.

Welchen Einfluss hat die Musik der Band, die du fotografierst, auf die Fotos? Versuchst du Fotos aus einem energischen Song energisch darzustellen und die Ruhe einer Ballade auch auf einem Foto zu “bannen”? Wie sieht es bei der Bearbeitung aus: hörst du beispielsweise beim Bearbeiten der Fotos exakt diese Band von der die Fotos sind?

Das ist ganz ehrlich gesagt eine gute Frage, die ich dir aber nicht so direkt beantworten kann. Ich glaube dadurch, dass ich selbst so lang in Bands aktiv war und viel mit Fotos auch im Nachhinein arbeite habe ich ein gewisses Gespür dafür, was ich persönlich (und auch oft die Bands) cool finde. Ich kann jetzt nicht behaupten, dass ich versuche die Stimmung eines Songs in einem Foto wieder zu geben, da ich oftmals im Nachhinein auch nicht mehr weiss, bei welchem Song welches Bild entstand. Wenn ich die Bilder bearbeite höre ich recht oft nochmal die Musik der Band oder zumindest ähnliches.

Der Großteil deiner Fotos auf deinem Portfolio fällt ja heute in den Bereich der Streetphotography. Was ist für dich das Besondere daran?

Zum einen ist Street-Photography etwas, was du jeden Tag zu jeder Zeit betreiben kannst. Du brauchst dich nicht um ein Modell oder ähnliches kümmern. Man geht einfach vor die Tür und steht mitten im Leben, und eben diese Momente machen diese Art der Fotografie für mich aus. Momente, die wir im Alltag kaum beachten, die in Vergessenheit geraten. Ich versuche sie einzufangen und ihnen wieder Bedeutung zu geben, die Personen, die meine Bilder ansehen wieder auf sie aufmerksam zu machen. Auch geht es dabei nicht um technische Perfektion, sondern um das Gespür für den richtigen Moment. Wenn ein Foto in dir ein Gefühl auslöst, dann ist es völlig egal ob es leicht verschwommen oder verrauscht ist.

Wie sieht das bei dir mit der kommunikativen Seite der Streetphotography aus? Sprichst du mit den Leuten, die du fotografiert hast? (falls ja, tust du dies vor oder nachdem du das Foto geschossen hast? Sehen sie die Resultate?)

Da sprichst du ein schwieriges Thema an. Lange Zeit habe ich mich überhaupt nicht getraut auf der Strasse Menschen zu fotografieren. Es dauerte eine Weile bis ich diese Scheu abgelegt hab, teils arbeite ich da immer noch dran. Meine Erfahrung ist, dass die Bilder oft weniger interessant werden, wenn die Personen wissen, dass man sie im Sucher hat. Manchmal reicht ein Nicken oder ein kurzes Lächeln aus um das OK zu bekommen. Manchmal spreche ich Leute an und zeige ihnen die Bilder aber oftmals interessiert es sie auch überhaupt nicht. Wieso das Thema so schwierig ist für mich, ist, dass man in Deutschland rein rechtlich sich im Illegalen bewegt, wenn man Menschen fotografiert bzw die Bilder veröffentlicht (Recht auf das eigene Bild), daher versuche ich mir für Bilder, die mir gefallen, ein Ok von den Personen zu besorgen, was allerdings oftmals eher mündlich als schriftlich ist. Niemand unterschreibt dir auf der Strasse einen Model-Vertrag. So zumindest meine Erfahrung.
Ich bin da persönlich auch in einem Zwiespalt, denn a) liebe ich die Street Photography aber b) würde ich auch nicht unbedingt Fotos von mir im Netz finden wollen ohne, dass ich davon weiss.

Nun einmal für die Technikfreaks: mit welchem Equipment gehst du auf die Straße?

Also zur Zeit arbeite ich auf der Strasse mit meiner Canon EOS 450D und meist einem Tamron 50 – 200mm 4 – 5.6 Objektiv. Grad eben steht die Überlegung welche Kamera mir ins Haus kommen soll, die 5D MKII oder die 7D. Eine Frage der Finanzen und der Verwendungszwecke.

Björn, danke für die ehrliche Beantwortung meiner Fragen! Ich denke wir hören voneinander! Viel Erfolg weiterhin!

Hier nochmal eine Liste mit den bisherigen Features:

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Hamburg: Mein Favorit.

28.04.2010 | photography | 1 Kommentar

Man kann dies als so eine Art zweiter Teil zu meinem ersten Hamburg-Artikel heute sehen oder als das obligatorische P.S. unter eben so einem. Da dieses Foto jedoch mein Favorit ist, dachte ich mir, möchte ich das Foto mit einem eigenen Artikel würdigen.

Eigentlich mag ich ja eher ungern gestellte Fotos machen, in diesem Fall hat es mir aber sehr gut gefallen. Jegliche Hinweise über das etwas gruselige, was der alte Elbtunnel bietet habe ich zur Kenntnis genommen. Wenn man jedoch an einem Samstag Abend dort hingeht, ist es dort alles andere als menschenleer. Das Foto gefällt mir besonders wegen der Licht im Hintergrund und der enormen Tiefe, die das Foto durch den natürlichen Fluchtpunkt des Tunnels erhält. Mein persönlicher Favorit!

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Kleine Auswahl: Hamburg

28.04.2010 | photography | 2 Kommentare

Am vorletzten Wochenende war ich mit meiner Freundin in Hamburg. Neben unserer Kulturreise, welche Alster, Schanzenviertel (da war auch unser Hostel), Urban Outfitters, Reeperbahn, Fischmarkt, Hafen, Dom und Jim Block beinhaltete, hatte ich mich natürlich besonders auf’s Fotgrafieren gefreut.

Da ich aber momentan einfach keine Lust habe, Fotos auszuwählen und/oder zu bearbeiten, stelle ich euch nun vorerst nur die paar vor, die ich nebenbei schonmal geschminkt habe:

Dieses Foto entstand im Schanzenviertel und zeigt die Leere, die sich am Sonntagmorgen dort zeigte. Ab 16 Uhr war dort wieder High-Life und die ganzen Hipster entern die vielen Bars und Cafés.

Dieses tolle Motiv entdeckte ich auf dem St. Pauli Fischmarkt. Etwa zwei Stunden hat der nette Mann uns mit Seemannsmucke den Sonntagmorgen bei Fischbrötchen und Fritz-Kola versüßt. Er lächelte immer freundlich und bedankte sich auch nett für die kleinen Spenden von den Passanten. Da ich ihn mehrfach fotografiert hatte, war ich nicht ganz unspendabel. Und auch ich sollte ein nettes “Danke junger Mann” erhalten.

Man muss sich das Vorstellen: 25°C, beinahe Windstille und Wasser. Was will man mehr. Schade war, dass der Sandstrand aus Betonplatten bestand und anstelle der obligatorischen Muscheln im Sand Kunststoff und Papierverpackungen auf Beton weichen mussten. Beeindruckend ist vielleicht, dass der Mann wirklich mindestens eine Stunde beinahe regungslos dort saß und außer gelegentlich eine neue Kippe anzustecken sich komplett dem Ausblick auf das Wasser hingab.

Logisch. Für dieses Foto hätte ich nicht nach Hamburg fahren müssen. Dennoch konnte ich nicht anders und musste ein weiteres geparktes Fahrrad ablichten. Was ich daran interessant finde? Dieses Fahrrad ist ein kleines Detail im Detailjungle der Reeperbahn. Vielleicht kein wichtiges, aber eben eins, was mich gereizt hat.

Und so ist das dann. Nach gut einem Tag fotografieren musste nun ich auch mal als Motiv herhalten. Das Foto entstand im Sommersalon auf der Reeperbahn. Der Sommersalon ist ein kleiner, aber dafür echt charmanter Schuppen mit einem netten Kellner, der an dem Tag seinen ersten Arbeitstag hatte und dem besten, festen Milchschaum, den ich je auf einem Cappuccino hatte. Großes Lob für Geschmack und Einrichtung!

Vielleicht werden in den nächsten Tagen noch ein paar Fotos folgen, für heute jedenfalls war’s das erstmal. Die Fotos gibt es momentan leider nicht auf Flickr, da ich mein Uploadlimit erreicht habe und mir nun doch endlich mal einen Pro-Account zulegen muss. Es sei denn jemand schenkt mir einen?!

P.S. Ich versuche nun meine Frequenz wieder etwas zu erhöhen und eventuell gibt es bald auch wieder coole Features und eventuell auch ein neues Design.

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Überschusslorbeeren 2009

08.01.2010 | photography | 2 Kommentare

Krass oder? Ich werde jetzt mal richtig 2009 (fast schon Retro) bzw. teilweise auch richtig heftig 2008 (beinahe schon klassisch). Habe mich seit Weihnachten damit beschäftigt nochmal ein paar Fotos auszugraben, die ich in den vergangenen Jahren gemacht habe, aber noch nicht veröffentlicht habe.

Man könnte mir jetzt vorwerfen, dass ich einfach nur nichts anderes wüsste, was ich posten könnte. Stimmt zwar irgendwie, irgendwie aber auch nicht, denn ich hätte durchaus noch ein paar andere Dinge gehabt, die es Wert gewesen wären (Und weil ich ja sowas von integrativ und ein kleveres Kerlchen bin, zeige ich euch in dieser Klammer, dass es unter Anderem das Video zu einem neuen Massive Attack Song namens “Paradise Circus” wäre (hier ansehen). Auch interessant wäre es, hier zu verkünden, dass Frittenbude an einem neuen Album arbeiten, welches noch im Mai erscheinen soll. Insgesamt hätte ich hier erneut meine Vorfreude über das Musikjahr 2010 vom Stapel lassen können, aber gut.).

Hier nun: Die Überschusslorbeeren 2009.

An dieser Stelle sei zu diesem Foto noch gesagt, dass es quasi ein Glückstreffer war, der auch erst durch die intensive Nachbearbeitung zu dem Resultat wurde, welches mir so gefällt.

Dieses Foto hingegen ist bewusst entstanden und war eigentlich mal farbig. Leider ist es durch eine Vignettierung die ich vorgenommen hatte, bevor ich mir überlegt hatte, ein S/W-Bild daraus zu machen etwas körnig in den Ecken. Eigentlich steh ich ja nicht auf diese S/W-Farb-Mashups, aber in diesem Fall hat es mich irgendwie überzeugt.

Dieses Bild entstand im August 2009 auf dem Dockville in Hamburg-Wilhelmsburg. Das Foto fand ich von Anfang an toll, hatte aber keinen Rahmen gefunden, in dem ich es hätte veröffentlichen sollen. Nun ja. hier ist es nun. Beschreibt die gemütliche Atmosphäre des Festivals ganz gut würde ich sagen.

Dieses Foto stammt aus Hamburg. Den Typen hatte ich schonmal auf einem Foto. Wie gut mir dieser Blick auf seine Gestik jedoch gefällt ist mir erst sehr spät aufgefallen. Interessant war auch der Kaffeebecher im Vordergrund. Dieser war nicht etwa gefüllt mit Kaffee, sondern mit dem was man wohl vor 2002 als Groschen bezeichnet hätte.

Weitere Fotos gibt es noch bei mir auf dem Flickr-Stream. Eventuell folgen dort noch ein paar. Mal sehen, was die Zeit so bringt und das Archiv noch so her gibt.

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Dockville 2009 – ein Abenteuerspielplatz

17.08.2009 | photography | 1 Kommentar

Am vergangenen Wochenende fand in Hamburg-Wilhelmsburg das dritte Dockville Festival von Freitag bis Sonntag statt. Für mich war es das erste Mal Dockville, da ich in den beiden Vorjahren entweder im Krankenhaus lag, oder doch enger in den Ferienjob eingebunden war, als ich es mir vorher erhofft hatte.

Dockville 2009

DockvilleNach einem intensiven Festivalsommer bildete das Dockville 2009 einen Höhepunkt der ganz besonderen Art. Es war nicht nur das Festival, dass nominell am besten besetzt war, sondern auch das, was auf der ganzen Linie am beeindruckendsten war. Was das Dockville-Team hier auf die Beine gestellt hat, ist genial. Das Dockville 2009 war zwar größer als erwartet mit immerhin 15.000 Besuchern allein am Samstag, hatte aber dennoch soviel Charme, dass es nicht mit der Lieblosigkeit der ganz großen Festivals gleichzusetzen ist. Das Gegenteil ist der Fall: hier haben sich Menschen Gedanken gemacht! Ich habe noch nie ein Festival gesehen, bei der die Geländegestaltung mit so viel Liebe zum Detail vorgenommen wurde – und dies nicht nur wegen der Künstlerprojekte! Es ist die gesamte Kulisse, die einem ins Auge sticht: Hafengebäude, wunderschöne Sonnenunter- und aufgänge und einfach so viele Kleinigkeiten, die Künstler in mühevoller Handarbeit aufgebaut hatten.

Rethe Speicher“Abenteuerspielplatz Dockville” – besser hätte ich es nicht ausdrücken können. Und was an Kunst aufgefahren wurde, war wirklich beachtlich! Das Highlight dürfte denke ich die Inszenierung der Künstlergruppe “Urban Screen” gewesen sein, die drei Nächte lang den Rethespeicher mit einer farbenfrohen Bildprojektion als Kunstobjekt haben da stehen lassen. Aber auch die anderen Kunstprojekte sind wirklich gelungen und vor Allem auch eine angenehme Beschäftigung gewesen, falls man mal nichts zu tun hatte. Hervor zu heben sind hier besonders das Horn (welches auch gleichzeitig noch als Bühne für DJ-Acts diente; eine Holzgebilde, dass allerlei Möglichkeiten bot, um mit einfachsten Mitteln (Holz und Metall) Musik oder zumindest Geräusche zu erzeugen) und das Projekt “Maske”, eine Holzhütte, in der ein Boxsack hing und Musik abgespielt wurde. Je stärker man auf den Sack einprügelte, desto friedlicher wurde die Ambientmusik. Die Idee, Musik mit weiteren Künsten zu verbinden, ist sicherlich nicht komplett neu erfunden, auf dem Dockville 2009 jedoch wirklich gut und innovativ umgesetzt worden. Der Kunstspielplatz ist eine wirkliche Bereicherung für das Dockville.

Der eigentliche Grund für die meisten der Besucher, zum Dockville zu fahren wird jedoch die Musik gewesen sein, was ja bei dem LineUp auch kein Wunder ist. Ich hoffe ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass ein Festival dieses Kalibers in der Lage ist, einer der Lichtblicke der Festivalkultur in Europa zu werden, wenn man weiterhin in dieser Liga spielt. Es ist nicht nur die Tatsache, dass mit MGMT eine der weltweit angesagtesten Bands der letzten zwei Jahre ein exklusives Deutschlandkonzert gespielt hat, oder Turbonegro einfach der Dauerbrenner in Sachen Rockmusik ist, sondern einfach auch die Mischung aus ebendiesen Größen und dem in der Szene angesagtesten, was es momentan in Deutschland und Europa gibt.

Blumentopf

BlumentopfAuch nach Jahren machen die Jungs auf der Bühne noch einen frischen Eindruck. Neue wie alte Songs sind in der Live-Performance immer noch ein Stück genialer, als sie es auf Platte schon sind. Wortgewandtheit und Wortwitz sind wohl die Quintessenz der Bayern, die sich merklich genau damit befassen, wo sie gerade auftreten. Nicht nur ihre Freestyle-Einlagen während des Gigs ließen dies spüren, sondern auch der immer wieder individuelle Touch, dem sie einigen Songs verpassen, indem Bezug Textzeilen passend auf das Dockville umgeformt werden. HipHop at its best!

Turbonegro

TurbonegroHier kann man sich dem Blumentopf-Urteil fast nur anschließen. Turbonegro schaffen es immer wieder aufs Neue mit ihren skurrilen Bühnenoutfits und ihren eingängigen Rocksongs das Publikum zu begeistern. Ich würde Lügen, wenn ich behaupten würde, ein riesiger Turbonegro-Fan zu sein, aber dennoch fasziniert mich diese Band live immer wieder aufs neue. Lauthals gröhlt das Publikum jeden Refrain mit und eine Gänsehaut entsteht (besonders, wenn man direkt vor den Fans im Fotograben steht), wie man es nur selten spürt. Sie sind zwar schon Dinosaurier, aber wie es auch die Urtiere taten, werden sie noch viele Jahre immer wieder begeistern können.

Mediengruppe Telekommander

Mediengruppe TelekommanderAuf nahezu jedem Festival entdecke ich eine Band für mich, die ich zwar vorher schon kannte, aber nicht den richtigen Draht zu ihr gefunden habe. Auf dem Dockville war dies die Mediengruppe. Ihre Elektro-Punk Interpretation wirkt einerseits zwar sehr rudimentär, hat aber eine unglaubliche Eingängigkeit. Treibende Drums und Bässe, schrille Gitarrensounds und ein Gemenge aus Software-Synths wechseln sich ab mit teils gerappt, teils gesungen oder einfach nur ins Mikro geschrienen Phrasen. Punk’s Not Dead! Er ist nur einfach elektronischer im Jahr 2009. Genau das schien auch dem Publikum zu gefallen, welches nämlich tierisch abging.

DJ Mad

DJ MadVielleicht ist Mad ein wenig der Pechvogel des Dockville 2009. Sein Slot am Samstag Mittag war mit Sicherheit nicht der günstigste, den man sich wünscht. Dementsprechend waren auch recht wenig Leute vor der Bühne, als er auf höchstinteressante Weise Songs, die man niemals miteinander verglichen hätte zu einem neuen Gesamtwerk zusammenmixte. Soul, Electro, Oldies, Popmusik. Kein Genre blieb außen vor und es ist doch immer wieder schön altbekannte Melodien und Rythmen wiederzuerkennen und als neue Interpretation eines so sympathischen Künstlers zu bestaunen. Wer also die Möglichkeit hat, DJ Mad in einem Club nocheinmal an den Plattentellern zu sehen, sollte diese auf jeden Fall wahrnehmen.

Beat!Beat!Beat!

Beat!Beat!Beat!Es ist mit Sicherheit nicht einfach für eine so junge Band vor so vielen Leuten auf die Bühne zu gehen und sein Set zu spielen. Ich war echt überrascht, wie viele Leute vor der Dorfbühne standen, um die Indie-Newcomer aus Viersen zu bestaunen. Ihre sehr gefühlsbetonten Songs gehen ins Ohr und der Ohrwurm sitzt bei mir immer noch tief im Gehörgang (“I was someone”). Das wohl beeindruckendste jedoch war, als plötzlich alle Zuschauer beim letzten Song “Fireworks” begannen, mitzusingen. Beat!Beat!Beat! haben ja dieses Jahr schon einige interessante Festivals gespielt und ich vermute ihr Vormarsch wird so schnell nicht aufhören. Ihre Zeit wird kommen – 2010.

The Whitest Boy Alive

The Whitest Boy AliveEins meiner beiden persönlichen Highlights. Mit einfacher Besetzung und auch recht simplem Spiel schaffen es die vier das Publikum zum kochen zu bringen. Und das obwohl ihre Songs ja eigentlich garkeine Partykracher sind. Sehr smooth kommen sie auf den Alben daher. Tanzbar, aber eben nicht die Ausrastesongs. Live sieht das wieder anders aus: es werden gerne mal drei Stück mit leichter Variation des Tempos ineinader gefadet, um das auf- und ab der Masse nicht zu unterbrechen. Und um die Masse dann entgültig für sich zu gewinnen ist natürlich ein Coversong nie verkehrt. Mit “Show Me Love” von Robin S. haben sich The Whitest Boy Alive zwar eine schwierige Aufgabe gestellt, es aber geschafft dem Song ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Ein von vorne bis hinten geniales Konzert. Highlight #1.

MGMT

MGMTIch vermute keine Band an diesem Wochenende wurde so negativ von den Besuchern diskutiert, wie MGMT. Und dies denke ich auch nicht zu Unrecht. Dem ein oder anderen Kritiker darf man vielleicht vorwerfen, dass er nur wenige Songs der Band kennt (eben diejenigen, die veröffentlicht wurden und den stärksten Electrotouch haben) und deswegen enttäuscht wurde, der großen Masse muss ich aber Recht geben. Nicht nur die Tatsache, dass sich das Ganze eher nach 70s Rock anhörte als nach Electro Pop, sondern eher, dass die Bandmitglieder das ganze auch noch sehr unenthusiastisch darboten trug zu diesem schlechten Eindruck bei. Es klingt live definitiv anders als auf Platte, aber es bleibt dennoch gute Musik. Vielleicht blieben MGMT hinter den Erwartungen, schlecht waren sie aber definitiv nicht!

Frittenbude

FrittenbudeDie Hallenbühne war genau der richtige Ort, um diese Band auftreten zu lassen. Kleine Bühne, überfüllte Halle. Geniale Stimmung, tropische Temperaturen. Wer stehen bleibt ist selbst schuld, Interaktion ist hier gefragt! Ihre deutschsprachigen Songs, die sich inhaltlich um das Leben und die Liebe und Pandabären drehen wandeln sich im Club zu absoluten Partyhits. Da bleibt einem gar nichts anderes übrig als mitzusingen und zu tanzen. Irgendwo zwischen HipHop, Electro und Punk sind Frittenbude zu Hause und genau da haben sie ihre Niesche gefunden. Das ist Kunst – mindestens seit Samstag.

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was an diesem Wochenende abgelaufen ist. Auch die Performances von Element of Crime oder Kettcar waren durchaus beeindruckend. Metronomy konnte ich leider nicht sehen, da sie zeitgleich mit Frittenbude gespielt haben und Wintersleep habe ich nur 3 Lieder mitbekommen, finde diese Band aber super sympathisch und live auch echt sehenswert. DJ Phono ist ein weiterer Garant für Disco-Stimmung und einen guten Rave gewesen, auch wenn die Luft echt drückend war.

Dockville – das Herz der deutschen Festivals

Ich blicke auf ein wirklich spannendes Wochenende zurück aus visueller, musikalischer und auch fotografischer Sicht. Das Dockville besticht einfach durch die vielen kleinen Details, die sich am Festivalwochenende zu einem pompösen Ganzen zusammenfügen. Besonders beeindruckend war die Geländeinszenierung durch die Künstler, aber auch die vielen anderen kleinen Dinge (Zusammenarbeit mit Hamburger Fashionlabel Vogelwerk und Verkauf der Hamburger Fritz-Kola) ergeben einfach ein ganz besonderes Flair, dass einfach für mich Hamburg widerspiegelt.

Auch von der Organisation wirkte das Ganze für mich sehr ordentlich (auch wenn Tetrapaks auf dem Festivalgelände zwecks Trinkwasserversorgung kein Beinbruch gewesen wären).

Das Dockville ist ein Stern am Festivalhimmel und zwar ein ganz heller. Ein Festival mit Herz, das Herz der Festivals in Deutschland.

Fotostream Dockville 2009

DockvilleBlumentopfBlumentopfBlumentopfBlumentopfTurbonegroTurbonegroMediengruppe TelekommanderPunkJongleurBrautjungfernSeifenbläserMaskeFahrradLightsDJ MadDJ MadBeat!Beat!Beat!Beat!Beat!Beat!WintersleepWintersleepWintersleepSeifenbläserinLego TattooPinapple AmpThe Whitest Boy AliveThe Whitest Boy AliveThe Whitest Boy AliveMGMTMGMTMGMTMGMTFrittenbudeFrittenbude

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