Yes We KEN.

28.02.2010 | music | Kein Kommentar

Der Name ist Programm. Auf ihrem neuen Longplayer “Yes We”, den ich vor Kurzem zugeschickt bekommen habe, beweist die Band mit den Koblenzer Wurzeln um Aydo Abay erneut, dass sie erstens KEN sind und zweitens, um die Anspielung an US-Präsident Barack Obama aufzugreifen, es können.

Das Album rotiert seit Erhalten immer wieder und ich habe das Gefühl mit jedem Durchgang ein weiteres Stück des Albums schätzen zu können und es weiter zu durchdringen.

Beim ersten Hördurchgang war es direkt der Opener “21-21=21″, der mir gehörig in die Ohren pfefferte. Dieser Song ist ein absoluter Topkandidat und als Opener auch absolut geeignet, da ich es kaum erwarten konnte, auch den zweiten Song zu hören. “Get A Life” heißt dieser und ist das absolute Gegenteil zum vorherigen Song, bleibt aber alles Andere als dahinter. Es ist irgendwie die Hymne, die einfach im Ohr bleibt und das auch längerfristig.

Die folgenden Songs auf der CD liegen ebenfalls gut im Ohr und zeichnen sich besonders durch den Einsatz elektronischer Elemente gesondert aus. “Y.K.I.W.G.T.T.END.O.T.W.W.Y.” zum Beispiel hat einen absolut eingängigen Refrain. “Women Who Love Men Who Take Drugs To Make Music To Take Drugs To” ist ein sieben minütiges Bollwerk, welches langsam mit gecrushten Drums und Synthiemelodie aufgebaut wird, einen leicht sphärischen Touch hat und am Ende bis zur absoluten Destruction des Songs bis auf die Spitze getrieben wird.

Einer meiner weiteren absoluten Favorites auf dem Album ist der Song “Reminder D”, welcher mit einem seichten Pianointro erstmal absolut nicht nach einem KEN-Song klingt, mit Einsetzen der Vokals jedoch in einen verwandelt. Dieser träumerische beinahe Popsong ist ein weiteres Schmuckstück auf dieser Platte. Leicht- und Tiefgang werden in diesem Song vereint. Sehr gefühlvoll und schön.

Dieses ist insgesamt eine Entwicklung, die man feststellen kann: der sonst vorlaute Ex-Blackmail-Frontmann zeigt auf diesem Album eine entschieden gefühlvollere Seite als man erwartet. Und gerade das macht dieses Album vermutlich auch so wertvoll.

Als ich vorhin bevor ich den Review geschrieben habe, das erste Mal das beigelegte Presseblatt las, stolperte ich über eine Aussage Aydos, in der er KEN “als eine ultimative Spielwiese, auf der aber nicht nur gespielt, sondern  auch etwas von Wert gemacht wird” beschreibt. Diesem Zitat kann ich mich anschließen, denn nicht umsonst ist die Instrumentalisierung mit diversen Keys und Synthies so klar rauszuhören und auch der Schritt in teils stark experimentelle Richtungen sind dadurch klar nachvollziehen.

Mit “Yes We” liefern KEN das in meinen Augen beste Album ihrer Geschichte hin. Es ist einfach sehr vielschichtig und wird auch nach vielfachem Hören nicht langweilig, sondern eher immer wieder interessanter. Einige der Songs haben echten Hitcharakter ohne dabei kitschig zu wirken. Auch das Aydo sich selbst eingesteht viele Dinge nicht zu können und sich dafür andere Musiker zu besorgen, die ihren Input liefern ist eine schwerwiegende, aber richtige Entscheidung gewesen.

Als besonderer Bonus liegt auch noch eine zweite CD mit dem Titel “Yes They” bei, auf der einige der Songs geremixed oder neu interpretiert wurden. Anders als bei sonstigen Beilagen-CDs ist diese an sich auch sehr überzeugend. Teilweise finden wir hier Songs für die Elektroparty, aber auch gemütliche Lounge-Tracks sind enthalten.

Mir gefällt die Platte sehr und wird auch weiterhin in heavy Rotation bei mir laufen. Vielschichtigkeit und experimentellem Wahnsinn sei dank werde ich und ihr werdet auch lange Spaß an der Platte haben. Absolute Kaufempfehlung!

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