Spiegel: “Gema will an Konzerten mehr Geld verdienen”

18.06.2009 | thoughts | 3 Kommentare

Nur mit Live-Acts lässt sich noch richtig Kasse machen: In dieses Mantra der siechen Musikindustrie stimmt nun auch die Gema. Im Namen des Urheberrechts fordert die Verwertungsgesellschaft mehr Geld von den Konzertveranstaltern. Die Branche protestiert energisch.

Berlin – Die Zeiten, in denen man mit dem Verkauf von Alben und Singles noch sehr viel Geld verdienen konnten, sind vorbei. Das hat auch die Verwertungsgesellschaft Gema bemerkt und fordert nun eine Beteiligung am letzten profitablen Sektor im Musikgeschäft: dem Geschäft mit Live-Musik.

Bis 2014 möchte die Gema ihren Anteil an den Umsätzen der Konzertveranstalter deutlich steigern: zehn Prozent der Einnahmen sollen dann an die Verwertungsgemeinschaft fließen. Bisher zahlen die Konzertveranstalter sehr viel weniger.

Ihre Abgaben staffeln sich zurzeit nach der Größe des Konzerts. Für eine Veranstaltung mit bis zu 3.000 Zuschauern zahlen sie 1,9 Prozent der Einnahmen an die Gema; bei einer Show mit bis zu 15.000 Besuchern sind es 1,5 Prozent; bei Konzerten mit mehr als 15.000 Besuchern 3,6 Prozent.

Die Gema bezeichnet die derzeitige Höhe der Beteiligung als “unangemessen niedrig”. Die deutliche Aufstockung bis 2014 soll Schritt für Schritt vollzogen werden. Bereits ab dem 1. Februar zahlen die Konzertveranstalter mehr. Geplant ist ein plus von 14 Prozent auf die derzeitigen Abgaben.

Die stufenweise Erhöhung soll es den Konzertveranstaltern ermöglichen, sich auf die neuen Tarife einzustellen, teilte Gema-Pressesprecherin Bettina Müller in einem offiziellen Statement mit.

Dass die Gema nun mehr auf den Live-Sektor setzt, verwundert kaum. Seit Monaten hat sich im im Musikgeschäft die Erkenntnis durchgesetzt, dass nur noch mit Konzerten Geld zu verdienen ist. Prominentestes und gerne genanntes Beispiel: Pop-Veteranin Madonna, die 2007 ihre Plattenfirma Warner Music verließ, um sich zukünftig vom Konzertveranstalter Live Nation managen zu lassen.

Jens Michow, Präsident des Bundesverbandes der Veranstaltungswirtschaft (idkv), bezeichnet die Erhöhung dagegen als “Wucher”. Bei dieser maßlosen Politik der Gema dränge sich der Eindruck auf, dass die Veranstaltungsbranche für die weggebrochenen Einnahmen aus dem Tonträgerverkauf herhalten müsse.

Während nach Angaben der Verbände die Autorenvergütung bei einem beispielhaften Rockkonzert mit 1.200 Besuchern und einem Eintrittspreis von 23 Euro bei rund 600 Euro liege, wolle die Gema die Vergütung bis 2014 auf 2.580 Euro erhöhen. Bei einem Konzert mit 5.000 Besuchern und einem Durchschnittspreis von 45 Euro sollen es künftig 18.000 Euro statt wie bisher 3.370 Euro sein.

Ein Angebot des Verbandes für eine moderatere Erhöhung der Beteiligung, habe die Gema abgelehnt. Der idkv hatte deshalb bereits nach Weihnachten gemeinsam mit dem Verband der deutschen Konzertdirektionen ein Schiedsstellenverfahren gegen die Verwerter eingeleitet.

Die Gema vertritt in Deutschland die Urheberrechte von mehr als 60.000 Mitgliedern wie Komponisten, Textautoren und Musikverleger, sowie von mehr als einer Million Rechteinhabern aus aller Welt.

Sollte dies wirklich in der Form durchgesetzt werden, dürfte das den Tod für so einige kleinere Festivals bedeuten. Als ebenfalls Konzert- und Festivalveranstaler muss sagen, dass unser Festival finanziell ohnehin schon eng bemessen ist. Künstlergagen sind in den letzten Jahren in die Höhe geschossen, Sponsoren springen wegen Finanzkrise ab, die öffentlichen Töpfe zu Förderung von Kultur sind ohnehin leer. Sollte nun die GEMA noch höhere Abgaben erhalten, fällt es schwer einen sinnvollen Finanzierungsplan für ein Festival aufzustellen.

Dieses Problem wird die großen Festivalveranstalter nicht großartig berühren. Da wird dann hier und da nochmal 5€ aufs Combi-Ticket draufgeschlagen, Parkplätze werden teurer und Getränkepreise hochgeschraubt. Aufgrund des für die Masse ansprechenden LineUps wird es dennoch ausverkauft sein und die Veranstalter ihr Geld nach Hause bringen.

Für ein kleineres Festival unter 1.000 Besuchern wird es jedoch schwieriger. Preissteigerungen sind auch bei Veranstaltern unbeliebt, da man nach Möglichkeit den Besucher nicht mehr ausbeuten möchte, als nötig. Getränkepreise anzuheben ist auch ungünstig, da durch hohen Konsum ca 40% der Festivaleinnahmen gemacht werden.

Kurz: das Eis wird dünn, wenn die GEMA diesen “Wucher” durchzieht. Die in Deutschland hohe Festivaldichte wird sich 2014 extrem ausgedünnt wiederfinden. Gemeinnützige Organisationen, die Festivals veranstalten, werden dies wohl oder übel aufgeben müssen, da es einfach nicht finanzierbar ist, und die kommerziellen Veranstalter werden höheren Zulauf haben, da sie quasi alleine auf weiter Ebene stehen.

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